Kelten und Römer

Kelten und Römer

Von einer Besiedlung dieses Raumes in prähistorischen Epochen zeugen zahlreiche Hügelgräber und Einzelfunde, von denen mehrere bis in die Steinzeit zurückreichen. Aus der Römerzeit stammen Teile so genannter „Jupiter-Giganten-Säulen“ und weitere Göttersteine. Sie verweisen zusammen mit zahlreichen Spuren römischer Landhäuser („villae rusticae“) auf den Höhen rings um Mömlingen auf die Ausdehnung des einstigen römischen Weltreiches, das wenige Kilometer weiter östlich vom „Nassen Limes“, dem Main, begrenzt war.

Fränkische Besiedelung

Fränkische Besiedelung

Eine frühe fränkische Besiedelung des heutigen Ortskernes ab dem 6. Jahrhundert ist durch ein umfangreiches Reihengräberfeld nachgewiesen, das von Archäologen westlich des Dorfes freigelegt wurde. Neben zahlreichen Gräbern mit fehlenden oder kärglichen Beigaben entdeckte man Grabstätten mit außergewöhnlich reicher Ausstattung (darunter eine Mainzer Goldmünze und Reste von Seide), was auf eine „hochadelige“ Oberschicht unter den Dorfbewohnern schließen lässt. Diese lenkte wohl in königlichem Auftrag die fränkische Landnahme hier und in der Umgebung.

Erste urkundliche Erwähnung

Die Siedlung selbst begegnet uns erstmals als „Miminingen“ in einer Urkunde des Reichsklosters Fulda, die zwischen 802 und 817 (Amtszeit des fuldischen Abtes Ratgar) ausgefertigt worden ist. Dies ist im Vergleich zu vielen Nachbargemeinden eine sehr frühe urkundliche Erstnennung. Da von der verloren gegangenen Originalurkunde nur Auszüge (im „Codex Eberhardi“) überliefert sind, ist keine genauere Datierung möglich. Dies ist auch ein Vorteil: Mömlingen hat dadurch die Möglichkeit, sich bis 2017 einen passenden Zeitpunkt (Abschluss der Ortskernsanierung?) für sein 1200-Jahre-Jubiläum auszusuchen! In die frühfränkische Zeit ist auch die Entstehung der ersten Kirche in Mömlingen zu datieren. Dafür spricht das als typisch fränkisch geltende Martinspatrozinium der alten Pfarrkirche.

Kirche und Adel – Mainz und Breuberg

Aus der Zeit des Mittelalters wissen wir von zahlreichen kirchlichen Institutionen und Angehörigen des höheren und niederen Adels, die über Grundbesitz in der Gemarkung verfügten, Abgaben bezogen und sonstige Rechte besaßen. 1024 schenkte Kaiser Heinrich II. die Grafschaft Stockstadt, zu der Mömlingen zählte, der Reichsabtei Fulda. 1278 kam unser Ort mit der Grafschaft Bachgau an Mainz. Der Umstand, dass Mömlingen politisch (bis 1803) zur kurmainzischen Cent Bachgau gehörte, während die Dorfgerichtsbarkeit, umfangreicher Grundbesitz und weitere althergebrachte Ansprüche den Herren der nahen Burg Breuberg zustanden, führte zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Territorialmächten Mainz und Breuberg.

Herren von Mimling – Hans Memling

Herren von Mimling – Hans Memling

Im späteren Mittelalter tauchen Mitglieder einer wahrscheinlich niederadeligen Familie „von Mimling“ (und ähnlich geschrieben) in den Urkunden auf, meist als Geistliche und Centgrafen. Seitens der historischen Forschung besteht kein Zweifel, dass auch die Vorfahren des berühmten, um 1435 in Seligenstadt geborenen Malers Hans Memling aus Mömlingen stammen. Seine Werke sind heute in den berühmtesten Gemäldegalerien der Welt zu finden.

Hausen hinter der Sonne

Hausen hinter der Sonne

Im Süden von Mömlingen, am Nordhang des „Buchberges“, stand einst das dem Domstift Bamberg gehörende Dorf „Hausen hinter der Sonne“. Bereits die gewaltige landesweite Pestwelle von 1348 dürfte die Einwohnerschaft des Ortes nachhaltig dezimiert haben. Wahrscheinlich bedingt durch Kriegseinwirkungen, zogen im frühen 16. Jahrhundert letzte Bewohner der kleinen Nachbarortschaft nach Mömlingen. Die Mömlinger Gemarkung erfuhr dadurch eine wesentliche Vergrößerung. Auch das benachbarte Hainstadt profitierte gebietsmäßig vom Wüstwerden des Dörfchens.

Folgen des Dreißigjährigen Krieges

Folgen des Dreißigjährigen Krieges

Einzelheiten über die Größe der Ortschaft Mömlingen im ausgehenden Mittelalter können einem Zinsregister von 1426 entnommen werden. Zu dieser Zeit bezogen die Grafen von Wertheim als Besitzer der Herrschaft Breuberg Abgaben von 62 Hofstätten; Mömlingen war somit eine recht stattliche Ansiedlung. Gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung Mömlingens brachte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Pest, Plünderung und Brandschatzung setzten der Bevölkerung hart zu, so dass 1650 nur noch wenige Überlebende verzeichnet sind. Viele alteingesessene Familien hat dieser schreckliche Krieg hinweggerafft. Bald nach Kriegsende begegnen wir einer Vielzahl neuer Namen in den Archivalien. Vor allem aus Südtirol, Frankreich und den Niederlanden kamen Einwanderer. Der Dreißigjährige Krieg hat auch die Errichtung einer neuen Ortskirche verhindert. Erst 1774/1777 konnten die Mömlinger ihren Plan verwirklichen. Die im Barockstil erbaute alte Pfarrkirche gilt heute als das Wahrzeichen der Gemeinde.

Mömlingen kommt zu Bayern

Mömlingen kommt zu Bayern

  Mit Beginn des 19. Jahrhunderts ging eine über 600 Jahre währende Epoche zu Ende, in der Mömlingen politisch zum Erzstift Mainz gehörte. 1803 kam es zum neu errichteten Fürstentum Aschaffenburg, 1810 an das kurzlebige Großherzogtum Frankfurt und schließlich 1814 an Bayern.

Landschaftlich reizvolles Kleinzentrum

Landschaftlich reizvolles Kleinzentrum

Heute präsentiert sich die in der Nachkriegszeit baulich stark vergrößerte Gemeinde Mömlingen als „Kleinzentrum“, das über eine bunte Palette gemeinnütziger Einrichtungen verfügt und dessen landschaftlich reizvolle Lage von vielen Besuchern geschätzt wird.

Quelle:http://www.geschichte-untermain.de/
Text: Wolfgang Hartmann